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Inwiefern ist der Einsatz von Bevacizumab bei Glioblastoma Multiforme zu bewerten?

am Samstag 19 Juni 2010
von Alexx Autor Liste Drucke das Inhaltseintrag pdf-Datei erstellen Inhaltseintrag
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Glioblastoma multiforme

Glioblastoma multiforme ist der am häufigsten vorkommende Hirntumor. Nach der WHO gilt diese Tumorerkrannung als äußerst bösartig und schlecht erkennbar. Der Name leitet sich von den „Gliazellen“ des Gehirnes ab. Hier entsteht auch der Tumor. Die Behandlung besteht zurzeit in operativer Reduktion der Tumormasse, Bestrahlung und Chemotherapie. Eine endgültige Heilung kann derzeit nicht erreicht werden, weshalb ein Wiederaufflammen der Erkrankung (Rezidive) meist unvermeidbar ist und eine palliative Therapie angewandt wird.

Bevacizumab

Bevacizumab (Avastin) ist ein humanisierter, monoklonal-rekombinanter Antikörper und wird zur Behandlung von Patienten mit altersabhängiger Makuladegeneration am Auge und metastasiertem Kolon- oder Rektumkarzinom angewendet. Dieser Antikörper blockert den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), einen Wachstumsfaktor der für die Gefäßneubildung (Angiogenese) zuständig ist. Damit die Krebszellen weiter wachsen können, brauchen sie mehr Nährstoffe und vor allem Sauerstoff.

Inwiefern ist der Einsatz von Bevacizumab bei Glioblastoma Multiforme zu bewerten?

Laut mehreren Studien und wissenschaftlichen Reviews wird Bevacizumab in den USA, neben den oben genannten Indikationen, auch bei rezidivierendem Glioblastoma multiforme angewendet [1,2]. Die FDA ( Food and Drug Administration) erteilte im Jahre 2009 eine beschleunigte Freigabe für die Behandlung von Glioblastoma multifome mit Bevacizumab. Auch lange vor der Zulassung, wurde Bevacizumab in den USA und in Einigen Europäischen Ländern gegen sehr schwere Fälle von Glioblastoma multiforme eingesetzt [2].

Studien und Reviews

In einer multizentrischen, randomisierte Studie aus Neuseeland wurden Patienten in zwei Gruppen eingeteilt [1]. In einem Arm bekamen 85 Patienten, die zuvor Glioblastoma den ersten oder zweiten Rückfall erlitten hatten, 2 Wochen lang Bevacizumab mit einer Dosis von 10mg Bevacizumab pro Kilogramm. Die Überlebensrate für 6 Monate betrug 42%. Im zweiten Arm bekamen 82 Patienten die Kombination Bevacizumab und Irinotecan, hier erreichte man sogar eine noch höhere Überlebensrate von 50.3%. All diese Daten waren sogar besser als die historischen Kontrolldaten [1].

Eine besseres Ergebnis der Kombination Bevacizumab und Irinotecan bestätigt auch eine andere Studie, in der eine Literaturrecherche [2] unter dem Thema „Bevacizumab eine Behandlungsoption für rezidivierende Glioblastoma multiforma“ durchgeführt wurde. Dabei wurden folgende Datenbanken durchforscht und ausgewertet: MEDLINE (1966-June 2008), the Cochrane Library und International Pharmaceutical Abstracts (1970-June 2008). Man wertete alle Informationen aus und beschränkte die Suche auf Studienergebnisse an Menschen. Die Kombinationsbehandlung mit Bevacizumab und Irinotecan sei im Hinblick auf Glioblastoma multiforme positiv zu bewerten. Jedoch brauche man jetzt noch größere randomisierte Studien um das Ausmaß des Nutzens von Bevacizumab genauer bestimmen zu können.

Eine weitere Studie [3] mit 35 Patienten bestätigt, dass Bevacizumab und Irinotecan eine sehr wirksame Behandlung für rezidivierendem Glioblastoma multiforme sei und eine moderate, vertretbare Toxizität besitze.

Kritisches Review

Jedoch erschien erst im April 2010 ein etwas kritisches Review über die Behandlung der Gliobastoma multiforme mit Bevacizumab [4]. Demnach sei Bevacizumab, ohne Frage eine nützliche Behandlungsmethode bei Glioblastoma multiforme, doch trotz der klinischen Erfahrung und der schnellen Zulassung durch die FDA, blieben jedoch noch viele Fragen offen. Vor allem Fragen ob Bevacizumab alleine oder in Kombination mit Irinotecan gegeben werden sollte, welche Dosierung man einsetzten sollte, wann und zu welchem Zeitpunkt Bevacizumab eingesetzt werden sollte oder ob zuvor andere Therapieoptionen aufgegriffen werden sollten. Basierend auf die Gesamtüberlebendenrate gäbe es keinen großen Nutzen Irinotecan zusätzlich einzusetzen. Zudem sei Irinotecan weitgehend verantwortlich für die Toxizität der Therapie. Weiter wird empfohlen anstatt weitere unkontrollierte Studien durchzuführen, solle man nun gut durchdachte kontrollierte randomisierte Studien planen und zu einem Ergebnis bringen.

Studienlage

Die „United States National Library of Medicine“ betreibt mit ihrer Webseite ClinicalTrials.gov, die größte Informationsdatenbank für Klinische Studien, die zurzeit weltweit geplant bzw. noch nicht abgeschlossen sind. Dieser Seite kann man entnehmen, dass derzeit insgesamt 54 Studien zum Thema Bevazicumab und Glioblastoma multiforme in Arbeit sind [5,6] - zwei von ihnen sind bereits Phase- III-Studien mit 920 bzw. 720 Patienten rund um die Welt. Dabei geht es um die Frage, ob bei Glioblastoma multiforme, zusätzlich zu Temozolomid und Strahlentherapien, auch Bevaciumab eingesetzt werden sollte oder nicht. Die Studien werden voraussichtlich bis 2011 bzw. 2014 andauern.


Quellen

[1] Moen MD Bevacizumab in previously treated glioblastoma. Drugs. 2010;70:181-9

[2] Buie LW, Valgus J. Bevacizumab a treatment option for recurrent glioblastoma multiforme
Ann Pharmacother 2008 ;42:1486-90.

[3] Vredenburgh JJ, Desjardins A, Herndon JE 2nd, Marcello J, Reardon DA, Quinn JA, Rich JN, Sathornsumetee S, Gururangan S, Sampson J, Wagner M, Bailey L, Bigner DD, Friedman AH, Friedman HS. Bevacizumab plus irinotecan in recurrent glioblastoma multiforme. J Clin Oncol. 2007; 20;25:4722-9.

[4] Wick W, Weller M, van den Bent M, Stupp R. Bevacizumab and recurrent malignant gliomas: a European perspective. J Clin Oncol. 2009; 1;27:4733-40.

[5] United States National Library of Medicine – Clinicaltrials: bevacizumab glioblastoma | Phase III.http://clinicaltrials.gov/ct2/results?term=bevacizumab+glioblastoma&recr=&rslt=&type=&cond=&intr=&outc=&lead=&spons=&id=&state1=&cntry1=&state2=&cntry2=&state3=&cntry3=&locn=&gndr=&phase=2&rcv_s=&rcv_e=&lup_s=&lup_e=, zugegriffen am17.Juni 2010

[6] United States National Library of Medicine – Clinicaltrials: bevacizumab glioblastom. http://clinicaltrials.gov/ct2/results?term=bevacizumab+glioblastoma, zugegriffen am17.Juni 2010

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